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Modernisierung des Schiedsverfahrensrechtes in Bulgarien: mehr Vertrauen, mehr Sicherheit, mehr Transparenz

Im Jahr 2025 hat Bulgarien eine der wichtigsten Reformen in der Schiedsgerichtsbarkeit gemacht. Die Änderungen des Schiedsgerichtsverfahrensrecht sind nicht nur technische Korrekturen – sie verändern die Philosophie der Schiedsgerichtsbarkeit im Lande. Das Schiedsgerichtsverfahren war ein geschlossenes und schwierig durchsetzbares Streitbeilegungssystem. Mit den neusten Gesetzänderungen wird das Schiedsverfahren eine echt transparente und sichere Streitbeilegungsoption für die Händler.

Die wichtigsten Themen, die das neue Modell der Schiedsgerichtbarkeit markieren, sind drei – das Schiedsgerichtsregister, das neue Nichtigkeitsregime und die neuen Aufhebungsgründe von Schiedssprüchen.

1. Das Schiedsgerichtsregister – das Ende der unsichtbaren Schiedsgerichte

Das Justizministerium führt ein zentrales elektronisches Register ein, in dem die folgenden Umständen eingetragen werden müssen:

  • die Schiedsgerichte;
  • die Schiedsrichter;
  • die Schiedsverfahren;
  • die erlassenen Schiedssprüche.

Das bedeutet tatsächlich, dass das Schiedsverfahren nicht mehr ein unsichtbares Verfahren wird, das nur für die Parteien existiert. Jeder sollte schon leicht prüfen können, ob ein Schiedsgericht legitim ist, sowie ob ein Schiedsspruch von legitimierten Schiedsrichtern erlassen wurde.

Wie profitieren die Händler davon?

Die Vorteile für die Unternehmen sind:

  • Sicherheit, dass die Streitigkeiten von einem legitimen Schiedsgericht entschieden werden;
  • Realer Schutz von unechten Schiedsgerichten und zweifelhaften Zusammensetzungen der Spruchkörper.
  • Mehr Vorhersehbarkeit, wenn die Parteien eine Schiedsklausel im Vertrag vereinbaren.

Das Register „verstaatlicht“ das Schiedsverfahren nicht, sondern macht es nachvollziehbar, überprüfbar und institutionell legitim. Das ist entscheidend für das Vertrauen im Schiedsverfahren als wirtschaftlichem Instrument.

Das Register funktioniert tatsächlich seit 03.12.2025 und Sie können es hier finden: https://arbitrage.mjs.bg

2. Die Nichtigkeit der Schiedsgerichte – Legitimität statt Formalismus

Die Änderungen im Schiedsverfahrensgesetz führen eine klare Regel ein: Wird ein Schiedsspruch von einem nicht registrierten Schiedsgericht oder von einem nicht legitimen Schiedsrichter erlassen, ist er nichtig.

Das ist für die Unternehmen von größerer Bedeutung, weil es:

  • das Risiko von Schein-Schiedsverfahren beseitigt;
  • die Möglichkeit von Pseudoverfahren ausschließt;
  • eine klare Grenze zwischen legitimer Schiedsgerichtsbarkeit und fiktiven Strukturen schafft.

Die Nichtigkeit des Schiedsspruchs kann vom staatlichen Gericht zeitlich unbeschränkt festgestellt werden, was einen langfristigen Schutz der Rechtssicherheit bedeutet.

Diese Regelung wird am 03.03.2026 in Kraft treten. Damit haben alle Schiedsgerichte bis zum Beginn des nächsten Monats Zeit, sich registrieren zu lassen und die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen, um das Gesetz einzuhalten.

3. Aufhebung von Schiedssprüchen – Schutz vor gravierenden Ungerechtigkeiten

Die Änderungen im Schiedsverfahrensgesetz stellen einen wichtigen Aufhebungsgrund für Schiedssprüche wieder her, nämlich dann, wenn sie gegen die öffentliche Ordnung in Bulgarien verstoßen.

Die Regel lautet wie folgt: Verletzt ein Schiedsspruch grundlegende Rechtsprinzipien, das Recht auf Verteidigung oder fundamentale Regeln eines fairen Verfahrens, kann er aufgehoben werden und entfaltet dementsprechend keine Rechtswirkung.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede unzufriedene Partei die Aufhebung des Schiedsspruchs vom staatlichen Gericht verlangen kann. Es geht nicht um eine erneute Prüfung des Streitfalls, sondern um den Schutz vor extremen, systematischen und schwerwiegenden Verstößen gegen die Rechtsordnung.

Für die Wirtschaft ist dies aus einem Grund besonders wichtig: Das Schiedsverfahren bleibt ein schnelles und effizientes Streitbeilegungsmittel, wobei gleichzeitig ein Sicherheitsschutz gegen extreme Missbräuche geschaffen wird.

Dies führt unzweifelhaft zu einem höheren Vertrauen in Schiedssprüche und macht die Wahl eines Schiedsgerichts sicherer statt riskanter. Diese Regelung ist unmittelbar nach der Veröffentlichung der Neuerungen im Schiedsverfahrensgesetz im Gesetzblatt am 01.08.2025 in Kraft getreten.

Die Bedeutung der Reform für die Wirtschaft?

Die Reform ist kein Schlag gegen die Schiedsgerichtsbarkeit. Im Gegenteil – das Schiedsverfahren wird dadurch stärker, verlässlicher und attraktiver als Streitbeilegungsinstrument.

Das neue Modell gestaltet die Schiedsgerichtsbarkeit als:

  • Institution;
  • legitimen rechtlichen Mechanismus;
  • ein Streitbeilegungsverfahren, dem man vertrauen kann.

Natürlich entstehen auch neue Fragen – vor allem hinsichtlich der Grenzen der Vertraulichkeit, da es nun ein öffentliches Register und eine zentrale institutionelle Kontrolle durch den Staat gibt.

Eines ist jedoch sicher: Das bulgarische Schiedsverfahren wandelt sich von einem „geschlossenen System“ zu einer modernen, regulierten und vertrauenswürdigen Form der Streitbeilegung. Dies bedeutet weniger rechtliche Unsicherheit, geringeres Risiko und mehr Gewissheit, dass das Schiedsverfahren ein effektives, faires und verlässliches Instrument im modernen Wirtschaftsleben sein kann.

Die Anwaltskanzlei „Dr. Miroslava Hristova“ kann Ihnen umfassende prozessuale Vertretung in Schiedsverfahren bieten. Für weitere Informationen und Anfragen können Sie uns unter der folgenden E-Mail-Adresse kontaktieren: office@recht.bg.

Die in diesem Artikel dargestellten Informationen basieren auf der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung geltenden Gesetzgebung und stellen weder eine Rechtsberatung noch Handlungsempfehlungen für an der Thematik interessierte Personen dar. Jegliche Haftung ist ausgeschlossen.